Demenz: “Viele Angehörige schämen sich für die Überforderung”

von Maja Sommerhalder

Wer einen Menschen mit Demenz betreut, braucht viel Kraft. Umso wichtiger sind da regelmässige Auszeiten, die etwa der Entlastungsdienst des SRK Schwyz ermöglicht. Doch dieser leistet auch viel Beratungs- und Aufklärungsarbeit, wie Leiterin Pia Di Giulio sagt. Wie diese den Angehörigen hilft, sagt sie hier.

Ich mag Menschen mit Demenz einfach. Auch wenn ihre geistigen und körperlichen Fähigkeiten zunehmend schwinden, bleiben ihre Persönlichkeit und Gefühle erhalten. Das macht sie authentisch und echt.

Das ist auch der Grund, warum ich mich schon fast mein ganzes Berufsleben lang mit diesem Thema beschäftige. Ich bin gelernte Pflegefachfrau und arbeitete lange auf Demenzstationen. Seit fünf Jahren leite ich den Entlastungsdienst des Schweizerischen Roten Kreuzes (SRK) Kanton Schwyz. Wir entlasten betreuende Angehörige, die an ihre Grenzen kommen. Rund ein Drittel unserer Klientel haben Demenz. Die Erkrankten leben alle noch daheim und werden meist von ihren Partnern oder Kindern betreut.

Es gilt, das Krankheitsbild zu verstehen

Ich führe mit den Angehörigen jeweils das Erstgespräch. Zusammen klären wir den Umfang und die Art unserer Dienstleistungen. Gerade bei Angehörigen von Menschen mit einer Demenz ist die Aufklärung wichtig. Es gilt, das Krankheitsbild und das damit verbundene Verhalten zu verstehen.

Viele Angehörige schämen sich für ihre Überforderung, aber diese ist ganz normal. Wir versuchen sie so weit zu entlasten und aufzuklären, damit sie selbst bei Kräften bleiben, um ihre Lieben so zu begleiten, dass es allen Beteiligten wohl ist.

Bei Überforderung der Angehörigen kann es zu verbalen und körperlichen Übergriffen kommen, die es zu vermeiden gilt. Viele Angehörige leisten häufig einen 24-Stunden-Job, denn sie können ihre erkrankten Eltern oder Partner nicht allein lassen – zu gross ist die Angst, es könnte etwas passieren.

Mehr Sicherheit dank der Limmex Notrufuhr

So gehen Demenzbetroffene oft auf eigene Faust spazieren, obwohl sie sturzgefährdet und orientierungslos sind. Uhren mit einem GPS-Tracking, wie jene von Limmex, ermöglichen glücklicherweise gewisse Freiräume und mehr Sicherheit. Aber da braucht es noch weitere Unterstützung.

Es ist unterschiedlich, wie viele Stunden und wann wir im Einsatz sind: Einem betreuenden Ehepartner etwa genügt schon ein Nachmittag, an dem er unbeschwert Sport machen kann. Eine Frau nutzt die freie Zeit für sich an zwei Abenden, um ihre Freundschaften zu pflegen. Manchmal sind wir für die Menschen mit Demenz auch den ganzen Tag da, weil ihre Angehörigen arbeiten müssen. Oder wir übernehmen eine Nacht, damit der Ehepartner endlich wieder mal durchschlafen kann.

Demenz-App sorgt für mehr Sicherheit

Mit der Demenzlösung von Limmex können Angehörige ihr Leben als Betreuende sorgenfrei gestalten – für eine professionelle Absicherung an 365 Tagen rund um die Uhr.

Haushalt, Spaziergänge und Rätsel lösen

Vielfältig sind auch unsere Aufgaben, die unsere Mitarbeiterinnen leisten. Das geht von der Körperpflege über Hausarbeiten bis zu Freizeitaktivitäten. Oft gehen sie mit den Betroffenen einkaufen oder kochen gemeinsam und schaffen so einen geregelten Tagesablauf. Dazu gehört auch, dass man sich regelmässig im Freien aufhält. Das muss nicht immer der grosse Spaziergang sein. Manche Betroffene sitzen nur auf einer Bank und geniessen die Aussicht.

Durch Singen, Anschauen von alten Fotos oder Rätsel lösen versuchen sie, die geistigen Fähigkeiten anzuregen. Doch dies kann man nicht stundenlang machen. So brauchen Menschen mit Demenz auch immer wieder Ruhephasen, in denen unsere Mitarbeiterinnen etwa Haushaltsaufgaben erledigen.

Die richtige Kommunikation

Meine Mitarbeiterinnen haben alle Erfahrung in der Alterspflege und eine entsprechende Ausbildung. Gerade in Demenzthemen bilde ich sie stets weiter. Da geht es etwa um die richtige Kommunikation. Oft muss man bei Betroffenen mehr auf die Emotionen als auf das Gesagte eingehen. Und ab einem bestimmten Stadium fragt man besser geschlossene Fragen, die mit Ja oder Nein beantwortet werden.

Besonders wichtig: Die Betreuenden sollten Menschen mit einer Demenz nicht auf ihre Defizite hinweisen. Das löst nur Trauer und Wut aus. Jemandem schroff sagen, dass er den Pulli verkehrt angezogen hat? Keine gute Idee. Ein charmanter Hinweis ist besser oder man lässt den Pulli so, wie er ist. Wichtiger ist der Weg als das Resultat.

Manche Erkrankte schämen sich

Demente Menschen sind oft umgänglich. Werden jedoch ihre Grenzen überschritten, können sie schon mal aggressiv werden. Wie es nicht den einen Demenzverlauf gibt, so unterschiedlich sind die Erkrankten auch in ihrer Persönlichkeit. Einige gehen mit Leichtigkeit durch den Alltag, andere haben mit Depressionen zu kämpfen.

Auch Scham kommt bei den Betroffenen vor – primär im Anfangsstadium. So fürchten manche, die früher einen geistig anspruchsvollen Beruf hatten, den Statusverlust. Wie ein ehemaliger Ingenieur, der sich aus Angst vor negativen Reaktionen nicht mehr traut, in seine Stammbeiz zu gehen.  

Ein selbstbestimmtes Leben ist möglich

Eigentlich schade. Demenz sollte in unserer Gesellschaft mehr Sichtbarkeit haben, zumal sie aufgrund der Überalterung immer mehr Menschen betrifft. Sicher ist eine solche Diagnose für alle Betroffenen schwer, doch wir beim Entlastungsdienst versuchen auch Angst zu nehmen und ermutigen die Angehörigen, Hilfe in Anspruch zu nehmen.

Je nach Krankheitsverlauf und familiärem System ist ein Heimeintritt bei Demenz nicht immer nötig. Dazu braucht es aber ausreichende ambulante Angebote zur Pflege und Betreuung, um die Angehörigen zu unterstützen und das System stabil zu halten. Ein selbstbestimmtes Leben zu Hause ist mit dieser Krankheit möglich – bis zum Schluss.

Das Gespräch hat Maja Sommerhalder aufgezeichnet

Mehr über das SRK Schwyz

Hilft eine Limmex Notrufuhr Menschen mit Demenz und ihren Angehörigen? Testphase läuft

Können Menschen mit Demenz dank einer Limmex Notrufuhr länger selbständig leben?  Dies will Limmex herausfinden. Mit Betroffenen und ihren Angehörigen testet das Schweizer Unternehmen derzeit eine neue digitale Pflegeanwendung – für mehr Freiheit und Sicherheit trotz Demenz. Limmex entwickelt eine massgeschneiderte Notrufuhr in Verbindung mit einer App für Betreuungspersonen, mit der sie in ihrer wichtigen Arbeit entlastet und unterstützt werden.

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