Das erste Treffen der beiden startete alles andere als optimal. Peter, damals Mitte siebzig, wollte die gleichaltrige Karin zu Hause abholen. Doch er verfuhr sich. „Ihr Haus lag auf einem Hügel, und ich hatte keine Ahnung, dass dieser noch zum Dorf gehört. Mein Navi wusste es auch nicht“, erzählt er. Nach einer längeren Irrfahrt fand er die Adresse trotzdem.
Nicht sonderlich entspannt drückte er auf die Türklingel. „Du hättest schon erwähnen können, dass dein Haus so versteckt liegt“, meint Peter rund sieben Jahre später schmunzelnd. Karin kontert: „Ich wollte testen, wie clever du bist. Test bestanden.“
Diese erste Bewegung war im Frühling 2019. Nachdem der erste Ärger verflogen war, verbrachten sie einen angenehmen Abend in einer Pizzeria. „Wir hatten von Beginn weg einen guten Draht und fanden sofort Gesprächsthemen“, sagen die heute 80-Jährigen rückblickend.
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Zwei spannende Biografien
Kein Wunder – Karin und Peter (Namen geändert) blicken beide auf ein erfülltes Berufsleben zurück. Er war lange als Arzt tätig, sie reiste als Designerin für eine bekannte Modemarke rund um den Globus. Auch nach der Pensionierung arbeiteten beide noch einige Jahre weiter.
Kurz vor dem Kennenlernen hatte Peter seine Praxis aufgegeben. Karin war hingegen noch im kleinen Pensum engagiert. „Ich arbeitete freiwillig und wollte für eine gewisse Zeit in einem Entwicklungsland helfen.“ Daneben reiste sie oft. Schon beim ersten Treffen sagte sie, dass sie in den nächsten sechs Wochen kaum verfügbar sei. „Ich hatte längst Ferien geplant. Ich rechnete nicht damit, so schnell jemanden zu treffen.“
Von Online-Dating zur Vermittlungsagentur
Gleichzeitig war ihr klar: „Alleine zu leben liegt mir nicht.“ Karin war viele Jahre verheiratet, bis ihr Mann 2014 nach einer schweren Krankheit starb. Ein Jahr später begegnete sie über eine Online-Dating-Plattform einem neuen Partner – doch die Beziehung hielt nur drei Jahre.
Darum wollte sie beim nächsten Versuch nicht mehr online suchen und wandte sich an eine Partnervermittlung. Dort beantwortete sie zahlreiche Fragen, worauf ein persönliches Profil erstellt wurde. In den folgenden Wochen sollte sie Kontakte erhalten, die zu ihr passen könnten.
20 Treffen – und endlich ein Treffer
Schon nach einem kurzen Telefonat und einem ersten Treffen traf sie auf Peter. Ihm gefiel, dass sie technisch „up to date“ war, und ihr passte, dass er kein „Opa-Typ“ war, der nur übers Festnetz erreichbar ist.
Peter selbst hatte zuvor deutlich mehr Frauen kennengelernt. „In acht Monaten hatte ich bestimmt zwanzig Dates.“ Nett seien diese gewesen, aber nie richtig passend. Er beschwerte sich bei der Partnervermittlung: „Das Gute ist, dass man dort einen Ansprechpartner hat.“
Kurz darauf erhielt er Karins Kontaktdaten. Die Sympathie war sofort da, doch die Gefühle entwickelten sich langsam. „Im Alter braucht es kein Feuerwerk. Unsere Liebe begann wie eine kleine Flamme und wurde von Woche zu Woche grösser“, erzählt Karin.
„Darf ich mich in dich verlieben?“
Als Karin nach dem ersten Treffen verreiste, hielten sie über WhatsApp Kontakt und tauschten Fotos aus. Es folgten weitere Verabredungen. „Darf ich mich in dich verlieben?“, fragte Karin bald darauf – und lud Peter in jenem Sommer an die Bayreuther Festspiele ein. Zehn Tage verbrachten sie dort, und Peters anfängliche Skepsis wich schnell. „Es war wunderbar.“
Bis heute hat sich daran nichts geändert. Längst leben die beiden zusammen, in einem Dorf bei Köln. „Wir ergänzen uns gut und verbringen viel Zeit miteinander“, sagt Peter. Ihr Alltag besteht aus Zeitunglesen, Kochen, Spaziergängen und Treffen mit Freunden. Ab und zu steht ein Konzert- oder Theaterbesuch an, reisen tun sie nur noch selten. „Im Vergleich zu meinem früheren Leben klingt das unspektakulär, aber ich vermisse nichts“, meint Karin. „Ich bin angekommen und fühle mich geerdet.“
„Jetzt dürfen wir geniessen“
Auch die Corona-Pandemie, die kurz nach ihrem Kennenlernen begann, spielte eine Rolle. Karins geplante Auslandseinsätze und Reisen fielen aus, wodurch viel Raum entstand, um sich wirklich kennenzulernen. „Es gab keine Ablenkung durch andere Kontakte.“
Ob sie einander gerne früher begegnet wären? Beide schütteln den Kopf. „Wir hatten aufregende Leben“, sagt Peter. „Jetzt können wir die Zeit, die uns bleibt, frei geniessen – ohne finanzielle Belastung und ohne grosse Pflichten.“ Auch Themen wie Krankheit, Pflege oder das Lebensende beunruhigen sie nicht. „Das gehört zum Leben, und wir werden es gemeinsam tragen.“
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