Langlebigkeit: Was ist das Geheimnis der 100-Jährigen?

Inhaltsverzeichnis
Während die einen mit 70 schon über Altersgebrechen klagen, sind die anderen im hohen Alter noch topfit. Warum? Die Forschung hat spannende Antworten gefunden – und wir können uns einiges von den Hundertjährigen abschauen.
Das Wichtigste in Kürze

Sportlich im hohen Alter: Wolfgang Kownatka

Ob Hammer- oder Speerwurf: Leichtathlet Wolfgang Kownatka gewinnt mit 87 Jahren noch immer bei Weltmeisterschaften. “Ich fühle mich topfit. Vielleicht bin ich nicht mehr so schnell wie früher. Sonst habe ich keine Beschwerden”, so Kownatka aus Sinzig bei Bonn. Dass er auch im hohen Alter vital ist, bezeichnet er als grosses Glück. Zugleich ist er überzeugt, dass er seine Gesundheit nicht allein den Genen verdankt.

Wolfgang Kownatka beim Training.
Wolfgang Kownatka beim Training.

Gene spielen nur eine Nebenrolle

Die Forschung stützt diese Sichtweise. Studien zur sogenannten Longevity zeigen klar: Der Einfluss der Gene ist begrenzt. Eine dänische Zwillingsstudie ergab, dass lediglich rund 20 Prozent der durchschnittlichen Lebenserwartung erblich sind – die restlichen 80 Prozent hängen von Lebensstilfaktoren ab.

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Ähnliche Resultate liefert eine Untersuchung der Universität Oxford: Demnach wird das Risiko eines frühen Todes nur zu 2 Prozent von den Genen bestimmt, hingegen zu 17 Prozent von Umweltfaktoren. Entscheidend sind unter anderem:

  • Lebensumstände
  • sozioökonomischer Status
  • finanzielle Situation

So lässt sich die Lebenserwartung deutlich verlängern

Besonders stark wirkt sich das Rauchen auf die Sterblichkeit aus. Auch Schlafqualität, Bewegung, Partnerschaft, Einkommen und Wohnsituation beeinflussen, wie lange wir leben. Forschende der Harvard Medical School haben errechnet: Männer mit gesundheitsbewusstem Lebensstil gewinnen im Schnitt 24 Jahre, Frauen 21 Jahre zusätzliche Lebenszeit.

Wer davon profitieren will, sollte diese neun Punkte berücksichtigen:

  • regelmässige körperliche Aktivität
  • ausreichend Schlaf
  • Verzicht auf Rauchen
  • kein Missbrauch von Schmerz- oder Suchtmitteln
  • mässiger Alkoholkonsum, kein exzessives Trinken
  • gute Stressbewältigung
  • überwiegend pflanzenbasierte Ernährung
  • stabile soziale Kontakte
  • Krankheiten vermeiden durch Prävention

Chronische Erkrankungen wie Krebs oder Herz-Kreislauf-Leiden gehören zu den häufigsten Todesursachen. Doch viele Fälle wären durch gesunde Gewohnheiten vermeidbar.

US-Forschende schätzen, dass so 90 % aller Diabetes-Erkrankungen, 80 % der koronaren Herzkrankheiten, 70 % der Todesfälle durch Herz-Kreislauf-Probleme und 50 % der Krebssterblichkeit verhindert werden könnte.


Kownatkas Erfolgsrezept: Bewegung, Balance und Genuss

Leichtathlet Kownatka lebt viele dieser Empfehlungen: Mehrmals pro Woche trainiert er im Verein, zudem sammelt er täglich Schritte bei ausgedehnten Märschen. “Sport ist mein Jungbrunnen”, sagt er.

Neben Bewegung pflegt er auch geistige und soziale Aktivität: Er unterstützt Nachbarn, schreibt Gedichte für seine Website und bleibt so mental rege. “Man darf nie aufhören, geistig und körperlich aktiv zu sein. Sonst baut man im Alter schnell ab”, erklärt der frühere Journalist und Pressesprecher.

Wichtig ist für ihn das rechte Mass. Er geniesst gerne Kuchen oder ein Glas Wein, achtet aber insgesamt auf eine ausgewogene Ernährung mit viel Gemüse und Fisch. Auch beim Training hört er auf seinen Körper: Schmerzen oder Müdigkeit sind Signale für Pausen.  Zentral ist für ihn dabei auch das Miteinander: -„Neid und Missgunst haben für ihn beim Sport nichts verloren.“


Typische Eigenschaften von Hundertjährigen

Solche Persönlichkeitsmerkmale tragen zu einem langen Leben bei. Spanische Forschende haben Menschen zwischen 100 und 107 Jahren befragt und dabei acht Gemeinsamkeiten festgestellt:

  1. Vitalität und Lebenswille
  2. herzliche soziale Beziehungen
  3. Ehrlichkeit, Verantwortungsbewusstsein und Ausdauer
  4. Selbstbestimmtheit und Unabhängigkeit
  5. Neugierde und Freude am Lernen
  6. Problemlösungskompetenz und autodidaktische Fähigkeiten
  7. positive Grundhaltung und Dankbarkeit
  8. ausgeprägte Resilienz

Blue Zones: Regionen mit besonders vielen Hochbetagten

Besonders viele 100-Jährige wohnen auch in den sogenannten Blue Zones. Das sind Regionen in dieser Welt, in der Menschen überdurchschnittlich lange und gesund leben:

  • Okinawa (Japan)
  • Loma Linda (Kalifornien)
  • Sardinien (Italien)
  • Nicoya (Costa Rica)
  • Ikaria (Griechenland)

Was die Bewohner dieser Regionen verbindet:

Die Bewohnerinnen und Bewohner der Blue Zones betreiben keinen Leistungssport, bewegen sich aber täglich – sei es beim Gehen, bei der Gartenarbeit oder beim Tanzen. Ihre Ernährung ist einfach, regional und frisch, überwiegend pflanzlich und wird durch Hülsenfrüchte, Nüsse und gesunde Fette ergänzt. Fleisch und Zucker kommen nur selten auf den Tisch, Genuss in kleinen Mengen ist jedoch erlaubt.

Zudem legen sie Wert auf innere Ruhe und bauen Stress mit Ritualen wie kurzen Siestas oder Meditation ab. Enge Familienbande und eine starke Gemeinschaft geben ihnen Halt und Lebensfreude. Nicht zuletzt sorgt ein klarer Lebenssinn dafür, dass sie motiviert bleiben – sei es durch kleine Aufgaben, Hobbys oder gemeinsame Aktivitäten.


Fazit: Einfach leben, länger leben

Das Geheimnis für ein langes Leben ist keine Zauberei: Bewegung, gesunde Ernährung, erholsamer Schlaf und stabile soziale Beziehungen sind die wichtigsten Grundlagen.

Viele Hundertjährige handeln nach dem Motto: Alles mit Mass und Freude. Genuss und Gelassenheit gehören ebenso dazu wie Neugier und Engagement. Eine Garantie auf ein Jahrhundertleben gibt es nicht. Doch wer diesen Lebensstil pflegt, gewinnt in jedem Fall an Lebensqualität – unabhängig vom erreichten Alter.

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